DATA festival Munich 2026: Keynote „From slides to systems"
Auf der Slide hinter mir sitzt eine KI-generierte Führungsrunde am Tisch. Sieben Menschen, ein Ergebnis, das ausgehandelt wird. Die Frage darunter: Who is missing?
Genau das ist die Frage, die eine Responsible-AI-Governance beantworten muss. Nicht auf der Bühne. Sondern jeden Tag, in jedem Prozess, in jedem AI-Use-Case, den ein globaler Konzern in Produktion bringt. Ins Unternehmen oder auf den Markt.
Meine Keynote auf dem DATA festival 2026 in München war ein praxisnaher Blick darauf, wie das ZEISS Responsible AI Office aus PowerPoint-Prinzipien einen konkreten operativen Rahmen für AI Governance und Risk Management machen wird. Also: wie eine dezentral aufgestellte, globale Organisation ihr Responsible-AI-Playbook und ihr Operating Model entwickelt, um Accountability einzubetten und AI Compliance sicherzustellen, ohne Innovation auszubremsen.
Drei Punkte, die ich mitgegeben habe:
Prinzipien reichen nicht. Ein Governance-Framework, das nur aus Powerpoint-Folien besteht, ist ein in der Branche sog. AI-Governance-Theater. Es wird erst dann zum operativen Rahmen, wenn Rollen, Prozesse und Entscheidungspunkte durchgehend definiert sind – von der ersten Risikoklassifizierung bis zum Monitoring in Produktion. Anders gesagt: wenn der Entwickler weiß, während er entwickelt, worauf zu achten ist, dann sind wir erfolgreich.
Dezentral heißt nicht: unkoordiniert. In einem Weltkonzern wie ZEISS mit rund 47.000 Mitarbeitenden und mehreren Geschäftsbereichen mit über 100 Standorten weltweit funktioniert Governance nicht als Zentrale, die Regeln verteilt. Sie funktioniert als Playbook, das lokale Teams anwendbar finden – und als Operating Model, das klar macht, wer wann was entscheidet, verantwortet, informiert, abstimmt.
Der EU AI Act ist ein Anlass sich mit Responsible AI zu beschäftigen, nicht das Ziel. Ein Framework, das nur auf eine Regulierung antwortet, wird obsolet, wenn die nächste Regulierung kommt. Ein Framework, das Vertrauen als Engineering-Disziplin behandelt, wird auch als wertbringend wahrgenommen - von Kundinnen und Kunden, und von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Unternehmen, einschließlich Betriebsrat.
Das positive Feedback aus dem Publikum vor, während und nach der Präsentation live, über persönliche Nachrichten und LinkedIn-Beiträgen, hat mich sehr gefreut. Ein Teilnehmer schreibt auf LinkedIn, ich hätte gezeigt „how to translate AI governance theory into repeatable organizational and technical controls." Genau darum ging es mir, die Lessons Learned aus unserer Praxis mitzubringen.
Danke an das BARC-Team und Dr. Carsten Bange für die Einladung und die data.stage. Und an die vielen Praktiker:innen, mit denen ich in den Pausen und der dedizierten Diskussionsrunde weiter über den EU AI Act und die praktische Umsetzung diskutiert habe.
Wenn du bis hierher gelesen hast: Wo steht ihr gerade zwischen High-level-Strategie-Slides vom Berater und funktionierenden Systemen in der Praxis?
Zum Weiterlesen:
· Programmseite DATA festival 2026 (BARC)
· BARC Data & AI Culture Podcast: Responsible AI at ZEISS

